Erinnerungen verändern Städte
Meine Impulse
Erinnerungen verändern Städte
In diesem Jahr wird der 65. Jahrestag des Arbeitskräfteabkommens zwischen Deutschland und der Türkei begangen.

An einem Mittwochabend im Juni 2026 saßen Menschen verschiedener Generationen an einem Tisch in Stuttgart. Manche sind hier geboren, andere kamen vor Jahrzehnten aus der Türkei nach Deutschland. Das Thema des Abends lautete „Erinnerungen verändern Städte“. Doch eigentlich ging es um weit mehr: um Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und die Frage, wie Städte ihre Geschichten erzählen.

Zu Gast bei der Tischrunde des Gül Vereins war Kerim Arpad, Geschäftsführer des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart. Im Gespräch wurde deutlich: Städte bestehen nicht nur aus Gebäuden, Straßen und Plätzen, sondern vor allem aus den Menschen, die sie prägen.

In diesem Jahr wird an das 65-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei erinnert. Lang genug, damit aus Gästen Nachbarn wurden, aus Arbeitern Bürgerinnen und Bürger und aus einer Generation mehrere Generationen.

Die Menschen, die damals nach Deutschland kamen, brachten nicht nur ihre Arbeitskraft mit, sondern auch Sprache, Musik, Traditionen, Rezepte und Lebenserfahrungen. Sie hinterließen Spuren, die bis heute sichtbar und unsichtbar fortwirken.

Ein Gedanke blieb besonders hängen: Jede Stadt besitzt zwei Geschichten. Die eine ist sichtbar in Geschichtsbüchern, Denkmälern und im offiziellen Stadtbild. Die andere lebt in den Biografien der Menschen und wird oft viel zu selten öffentlich sichtbar.

Stuttgart wurde nicht nur von Architekten, Politikern oder Unternehmen gestaltet. Auch die Menschen, die nach dem Krieg aus Italien, der Türkei, Griechenland, Spanien, dem ehemaligen Jugoslawien und vielen anderen Ländern kamen, haben ihre kulturelle Identität mitgeprägt.

Heute leben bereits die dritte, vierte und teilweise fünfte Generation dieser Familien in Deutschland. Die Frage lautet längst nicht mehr, wer gekommen ist, sondern welche Geschichten wir als Teil unserer gemeinsamen Geschichte anerkennen.

Erinnerung bedeutet nicht nur, auf die Vergangenheit zurückzublicken. Sie prägt auch, wie wir unsere Gegenwart verstehen und unsere Zukunft gestalten. Städte verändern Menschen. Aber Menschen verändern auch Städte durch die Erinnerungen, die sie hinterlassen.

65 Jahre Migrationsgeschichte werfen nicht nur Licht auf unsere Vergangenheit, sondern auch auf unsere gemeinsame Zukunft. Die nächsten Kapitel unserer Städte schreiben wir gemeinsam.

Welche Geschichten, Erinnerungen oder Erfahrungen sollten aus Ihrer Sicht stärker Teil unserer gemeinsamen Stadtgeschichte werden?

10.06.2026

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