Nation of Strangers
Meine Impulse
Nation of Strangers – Unsere Heimat sind wir
Ist Zugehörigkeit vor allem die Verbindung zu einem Ort, oder die Fähigkeit, miteinander verbunden zu sein?
Wo fühlt sich ein Mensch zu Hause?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Buches “The Nation of Strangers” von Ece Temelkuran. Die deutsche Übersetzung trägt den bemerkenswerten Titel “Unsere Heimat sind wir” und scheint bereits eine Antwort auf die zentrale Frage des Buches zu geben: Wie finden Menschen einen Ort, an dem sie sich zugehörig fühlen?

Beim Leseabend am 15. Juni in Stuttgart begegneten sich Ece Temelkuran und Ilija Trojanow in einem inspirierenden Gespräch über Heimat, Migration, Erinnerung und die Kraft von Geschichten, Brücken zwischen Menschen zu bauen

Für mich hatte dieser Abend eine besondere Bedeutung. Kennengelernt habe ich Ece Temelkuran vor Jahren durch ihr Buch “Innenansichten”, das mir meine Freundin zum Abschied schenkte, als ich nach Deutschland zog. Seitdem beeindruckt mich ihre klare Haltung und ihre Fähigkeit, komplexe gesellschaftliche Fragen mit persönlichen Erfahrungen zu verbinden.

Temelkuran macht einen wichtigen Unterschied sichtbar: Es ist etwas anderes, aus Neugier die Welt kennenzulernen und in verschiedenen Ländern zu leben, als die eigene Heimat aus politischen oder gesellschaftlichen Gründen verlassen zu müssen. Gleichzeitig beschreibt sie ein Gefühl, das weit über Migration hinausgeht: die Erfahrung von Entfremdung. Manchmal in einem fremden Land, manchmal in der eigenen Stadt, und manchmal sogar im eigenen Leben.

Dennoch ist The Nation of Strangers kein pessimistisches Buch. Im Gegenteil: Es schlägt eine neue Form von Zugehörigkeit vor. Nicht gemeinsame Herkunft verbindet uns, sondern unsere gemeinsamen Hoffnungen, Verletzlichkeiten und menschlichen Erfahrungen.

Besonders berührt hat mich die Idee, die auch im deutschen Titel anklingt: Unsere Heimat sind wir. Heimat ist nicht nur ein geografischer Ort. Heimat entsteht dort, wo Menschen einander sehen, zuhören und verstehen.

In einer Zeit, die von Migration, Kriegen und gesellschaftlicher Polarisierung geprägt ist, wirkt dieser Gedanke aktueller denn je.

Mein herzlicher Dank gilt dem Deutsch-Türkischen Forum Stuttgart und dem Literaturhaus Stuttgart, die mit dieser Veranstaltung einen Raum für Dialog, Begegnung und gegenseitiges Verständnis geschaffen haben.

Vielleicht blieb am Ende vor allem diese Frage im Raum: Wenn wir alle irgendwann auf die eine oder andere Weise zu Fremden werden können, wo liegt dann unsere eigentliche Heimat?

Temelkurans Antwort scheint ebenso einfach wie kraftvoll: in den menschlichen Verbindungen, die wir miteinander schaffen.

16.06.2026

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.